agentur okay. krass.

Was bedeutet Qualität in der Visualisierung?

Ein Beitrag von Michael Feuerroth.

Disclaimer: In diesem Beitrag geht es nicht darum mich oder uns zu bewerben und andere Arbeit schlecht zu machen oder zu diffamieren, aber unsere Gesellschaft lebt von der Aufklärung. Also woher soll der Kunde wissen was gut oder schlecht ist? Ein subjektiver Leitfaden um Marketing im Bereich Visualisierung zu durchschauen.

Man tippe “architekturvisualiserung” in google ein, klicke die ersten 20-30 Webseiten an und werde mit einigen Kampfbegriffen geradezu erschlagen.

Dort steht zuhauf:

  • professionell
  • fotorealistisch
  • höchstes niveau
  • high-end
  • hochwertig
  • führender Anbieter
  • premium
  • langjährige Erfahrung
  • modernste technologie oder verfahren
  • überzeugend
  • bundesweit
  • international
  • beste Preise

Bis auf wenige Ausnahmen, die es glücklicherweise gibt, reichen die Begriffe, die mir auf den ersten Blick einfallen allerdings leider nur von lieblos, enttäuschend über generisch, lächerlich, bis furchtbar oder schon gefühlte 10.000 Mal gesehen. Von Qualität fehlt jede Spur, aber angepriesen wird sie überall.

Also nochmal die Frage. Woher soll jemand, der nicht in diesem Bereich arbeitet, wissen ob die Arbeit einer bestimmten Firma ihn nun weiterbringen wird, sie ihr Geld wert ist oder ihn auf dem Markt einfach nur lächerlich erscheinen lassen?

Ich versuche einfach einmal ein paar dieser Begrifflichkeiten näher zu beleuchten.

 

Professionell.

Professionell bedeutet, der Wortherkunft nach zunächst einmal nur, dass man etwas beruflich macht. Dies ist kein Indiz für Qualität oder eine gute Leistung.

Fotorealistisch.

Eins meiner Lieblingswörter auf diversen Webseiten, das lese ich fast so häufig wie die Wörter “der, die das” oder “wir”. Wie misst man also ob etwas fotorealistisch ist oder nicht? Das würde eine Referenz voraussetzen, die es, Stand heute, bei der Geschwindigkeit mit der sich unsere Technik entwickelt, schlicht nicht geben kann.

Es gibt sicher einige Studios weltweit, die sich meinem subjektiven Empfinden nach ziemlich nah dran bewegen, dennoch bleibt es subjektiv und kann nicht objektiv gemessen werden. Ich erkenne grundsätzlich keine Grenze zwischen fotorealistisch und nicht fotorealistisch, da sich das Gros der Studios und Agenturen irgendwo genau dazwischen befinden.

Wer entscheidet also ob etwas fotorealistisch ist? Eine Jury? Oder doch eher jemand, der Probleme damit hat sich morgens die Schuhe zuzubinden… Der Begriff ist in der Branche zur Mode geworden und sagt genausowenig über Qualität aus wie das Wort professionell.

Höchstes Niveau.

Was ist denn das höchste Niveau genau? Alles was nicht in der Top 250 der Studios weltweit ist, hat diesen Titel aus meiner Sicht schonmal gar nicht verdient, geschweige denn zu tragen. Auch “höchstes Niveau” ist eine ziemlich subjektive Begrifflichkeit und würden die Firmen sich einmal die Mühe machen über Ihren Tellerrand zu schauen, würden sie ganz schnell merken, dass dies nur eine billige Masche ist um Kunden von ihrem Tun zu überzeugen. Höchstes Niveau bedeutet in den meisten Fällen genau gar nichts.

High End.

High End ist auch ein gerne genutzter Begriff und soll deutlich machen, dass es sich bei der Leistung der Firma, des Studios, der Agentur oder des Freiberuflers um Arbeit im höchsten Bereich handelt. Das klingt für mich ähnlich wie das “höchste Niveau” nur anders formuliert. Was ist denn das Low End, oder das Mid End? Die gibt’s nicht, denn wenn’s die gäbe, wären die wenigsten Visualisierer High End. Ein Scheinbegriff, den man getrost ignorieren kann.

Hochwertig.

Das ist mal ein Toller Begriff. Hochwertig meint laut Duden “eine höhere Qualität aufweisend” [1]. Qualität wird in unserer Gesellschaft an Standards gemessen. Ich würde es stellvertreterhaft in Kategorien einteilen. Es gibt:

  1. Ramsch [2]
  2. Minderwertige Qualität
  3. Standardqualität
  4. höherwertige Qualität
  5. Premiumqualität
  6. Luxusqualität

Schauen wir uns diese Liste also einmal an. Wenn ich behaupte meine Ware ist hochwertig, liegt sie allein vom Begriff her über dem Standard. Es ist eine gewagte These etwas als hochwertig anzupreisen, wenn das so gut wie alle tun – denn, ist es dann nicht Standard? Und verschiebt sich die Skala dann nicht nach oben? Wie können alle hochwertig sein? Etwas das ich nicht verstehe.

Ja es gibt sie, die hochwertigen. Aber wenn man selbst als Unerfahrender sehen kann, dass etwas hochwertig ist, dann ist es das meistens auch. Muss man es also dazuschreiben? Das wäre als würde man auf einen Lamborghini Aventador “hochwertig” schreiben. Wenn sie auf der Webseite des genannten Autoherstellers auch nur ein einziges Mal das Wort “hochwertig” finden, nehme ich alles zurück – viel Spaß beim Suchen.

 

Führender Anbieter.

Dieser Begriff bedarf einer genaueren Definition. Fragen Sie bitte bei der Firma nach, für die sie sich interessieren und die damit wirbt, was sie denn genau in führender Position anbietet. Visualisierungen sind es jedenfalls nicht. Denn Führend bedeutet nicht nur Nummer eins zu sein, sondern auch den Trend und den Markt zu bestimmen, mitzugestalten. Die, die ich bei meiner Recherche gefunden habe, sind abenteuerlich übermotiviert sich als führend zu bezeichnen.

 

Premium.

Ein weiterer toller Begriff, der nichts anderes meint als hochwertig, nur noch etwas werbehafter klingt. Ist ein Produkt “Premium” muss das erstens nicht drauf stehen, und zweitens hat der Begriff Premium immer den Ansatz sich in der Leistung zu vergleichen. Etwas wovon ich den meisten abraten würde.

 

Langjährige Erfahrung.

Oh ja. Die liebe und gute Erfahrung. Naja, eines muss man ihr ja lassen… sie zeugt zumindest davon, dass man nicht hilflos mit einem Projekt überfordert ist und das Ganze dann in einem Scherbenhaufen mündet. Trotzdem ist die viel angepriesene jahrelange Erfahrung auch kein Garant für gute Qualität. Man weiß zwar nach ein paar Jahren was man tut, aber das heißt nicht, dass man sich weiterentwickelt hat.

Viele Studios stecken überhaupt keine Energie oder Budget in die Weiterentwicklung, den Wettbewerb oder Schulungen bei richtig guten Studios. Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Wenn ein guter Fußballer, statt jeden Tag zu trainieren, nur seine Pflichtspiele absolviert, wird er niemals in der Nationalmannschaft spielen, egal wie viel Erfahrung er hat und wie lange er schon Fußball spielt.

 

Modernste Technologie oder modernste Verfahren.

Dieser Punkt ist irgendwie lustig und lädt zum Fremdschämen ein.

Erstens klingt es irgendwie so, als sei der Kunde zu dumm zu verstehen was man macht, deshalb muss man ihm die “modernsten Technologien” vorsetzen. Ich fühle mich als Kunde verarscht wenn mir jemand so eine Begrifflichkeit vor die Füße wirft und sich nicht einmal die Mühe macht zu versuchen zu mir erklären was das für eine “modernste Technologie” ist.

Wenn mich das als Kunde nicht wirklich interessiert, lasse ich ihn das wissen oder lese darüber hinweg. In jedem Fall ist der Begriff obsolet. Entweder weiß er selbst nicht genau was er für eine “Technologie” benutzt, erklärt mich damit für dumm, oder will nur irgendetwas gut klingendes in sein Marketing einbauen.

Und zweitens klingt es dumm, das klang vielleicht in den 80ern gut. Wir haben 2018, Leute.

 

Überzeugend.

Nunja. Etwas das ich tatsächlich bei vielen stehen lassen muss. Wenn etwas aber überzeugend ist oder sein soll, braucht es immer jemanden der davon überzeugt werden kann oder will. Sobald dieser jemand ins Spiel kommt, geht es um den Anspruch desselben. Hat man anspruchslose Kunden, ist es leicht sie zu überzeugen. Ich bezweifle, dass einige der Kunden mit denen ich in der Vergangenheit gearbeitet haben, die Produkte vieler, die sich mit überzeugend bewerben auch wirklich überzeugen ließen.

 

Bundesweit.

Auch kein Merkmal für Qualität. Der Markt ist so groß und die Bedürfnisse und das Angebot so vielschichtig, dass es ziemlich schwer ist nur die Kunden in der eigenen Stadt zu bedienen. Also was bedeutet bundesweit? Nichts, denn selbst der Handwerker von Nebenan hat öfter Baustellen in einer anderen Stadt.

 

International.

Ein großes Wort. Aber international anzubieten und auf den landesfremden oder bundesfremden Markt einzudringen und sich vor allem dort zu behaupten ist nicht gerade eine leichte Aufgabe und erwartet einiges an Mut und allem voran Leistung. Und nur weil ich einmal einen Kunden aus Österreich oder der Schweiz hatte, bin ich nicht gleich auf dem internationalen Markt. Prüfen Sie also besser genau, was das bedeutet.

 

Unschlagbare Preise.

Darüber kann ich nur lachen. Ohne gleich wieder die Keule “Gesetz der Wirtschaft” von John Ruskin herauszuholen, kann es nicht sein, eine so spezielle Aufgabe, die sehr viel Know-How und Feingefühl benötigt, verschleudern zu können. Wer mit einem günstigen Preis wirbt, hat nicht verstanden, dass sich die Branche über Qualität definiert und nicht darüber mit ausländischen Firmen oder Studierenden preislich zu konkurrieren. Haben Sie schonmal einen nagelneuen Porsche im Sonderangebot gesehen? Ich nicht.

 

 

Dieser Beitrag soll darwinistisch den Markt stärken und Kunden dazu bewegen genauer hinzusehen und die richtigen Partner auszusuchen. Diese oft leeren Marketinghülsen sorgfältig zu überprüfen, beugt Enttäuschung der Erwartungen vor, wenn Sie sich zu einer Partnerschaft entschließen. Abschließend gesagt soll sein, dass dieser Beitrag die Meinung des Autors repräsentiert und das wofür die Agentur okay. krass. steht. Ohne Gewährleistung zur Vollständigkeit – aber ich lade Sie herzlich zu einer eigenen Recherche ein.

 

 

Quellen:

https://www.duden.de/rechtschreibung/hochwertig

https://de.wikipedia.org/wiki/Ramsch

 

 

 

Leave a Reply